Kurpfalz, 1622: In einer Landschaft, die der Dreißigjährige Krieg bereits aus den Angeln hebt, wachsen die Schneiderstochter Susanna und der Bauernsohn Hannes mit einer Liebe auf, die stärker scheint als Herkunft und Konfession. Doch in einer Zeit, in der Glaubensbekenntnisse Grenzen ziehen und Familien zu Fronten werden, ist Hannes’ katholische Erziehung für Susannas protestantische Eltern unüberwindbar. Die Nachricht vom nahenden Krieg rollt wie ein Schatten über die Dörfer, und als die Truppen näher rücken, bleibt Susanna nur die Flucht nach Heidelberg. Dort erreicht sie ein Gerücht, das ihr die Luft nimmt: Hannes sei tot. In einer Stadt, die bald von entfesselten Soldaten überrannt wird, droht Susannas Geschichte im Lärm der Gewalt zu enden.
Bühne, Masken, Entscheidungen
Ein Gaukler namens David reißt Susanna im letzten Moment aus dem Strudel. Mit ihm taucht sie in die Welt der Jahrmärkte, Buden, Messerwürfe und Kunststücke, in der Leben Geschick ist und jeder Tag ein neues Publikum bedeutet. Was als Rettung beginnt, wird zu einer Wahl: Susanna findet in der fahrenden Gemeinschaft Schutz, Zugehörigkeit und eine unerwartete Zärtlichkeit – und sie heiratet David. Doch die Bühne kennt Masken, und die Vergangenheit verlangt ihren Auftritt. Als Susanna erfährt, dass Hannes lebt, reißen alte Gefühle auf. Zwischen zwei Männern, die ihr auf unterschiedliche Weise Halt geben, und zwischen zwei Lebensentwürfen, die kaum vereinbar sind, muss sie entscheiden: Bleibt sie bei der neugewonnenen Familie der Schausteller – oder folgt sie der ersten, nie ganz verstummten Liebe?
Der Roman entfaltet ein Panorama aus Krieg, Glaube, Aberglaube und Alltagskunst, zeigt geplünderte Städte und stille Momente hinter dem Vorhang, erzählt von Frauen, die in Zeiten männlicher Gewalt Räume der Selbstbestimmung suchen. Susannas Weg ist eine Prüfung aus Loyalität, Schuld und Hoffnung: Was wie ein Zufluchtsort begann, wird zur Frage nach Identität – und nach dem Preis eines Lebens, das man aus eigener Kraft wählt.
Hinweis: Dieser historische Roman erschien zuvor unter dem Titel „Der Gaukler“.
